Michis Lust am Gärtnern – oder wie ich lernte mich selbst zu versorgen

– Text u. Fotos Michael Herkommer , Chipunga Malawi

Dieser Bericht gibt Auskunft darüber, wie ich mein Leben in dem kleinen Dorf Chipunga im schönen, grünen Norden Malawis verbrachte. Im Besonderen berichte ich über meinen Versuch mich selbst zu versorgen. Um ehrlich zu sein, ist es mir mangels erforderlicher Kenntnisse in Sachen Gärtnern nicht immer gelungen, aber nun gegen Ende meines wirklich tollen Jahres in Malawi kann ich sagen, dass ich zumindest viele neue Erfahrungen und Kenntnisse gesammelt habe, dass es mir gelungen ist, mich teilweise (mit Gemüse) selber zu versorgen und dass ich auch weiß, wie ich – wieder Zuhause in Deutschland angekommen – womöglich einem neuen Hobby nachgehen kann: Meiner Lust am Gärtnern.

Wie ich zum Gärtnern kam

 

Das Leben in Chipunga kann, wenn man nicht im Stande ist, sich selbstständig Arbeit zu verschaffen, schnell ziemlich eintönig werden. Ich glaube, dass auch mein Vorgänger, Timo, sich dessen bewusst war. Ihm gebührt mein erster großer Dank. Er legte Beete an und hinterließ ein Gewächshaus. Beides benutze ich immer noch. Ich weiß nicht sicher, ob es für mich ohne ihn überhaupt im Bereich des Möglichen gelegen hätte, mit dem Gärtnern in Chipunga anzufangen, da ich davor in dieser Richtung noch gar keine Erfahrungen gesammelt hatte. Er nahm mich von Anfang an mit in den Garten. Wir pflanzten Tomaten um und schafften es mitten in der Trockenzeit mit Plastikflaschen, die wir über die Setzlinge stülpten, diese auch großzuziehen. Zur selben Zeit pflanzten wir Salat zwischen die Tomaten und Marygolds, welche die Bodenqualität verbessern und hilfreich gegen diverse Parasiten im Boden sind. Auch das Wissen, aus Bioabfall nährstoffreichen Dünger für meine Pflanzen zu gewinnen, habe ich von ihm. Meine anfänglichen Bedenken wichen schnell einer nur schwer zu zähmenden Begeisterung.

With a little help

Bedanken möchte ich mich auch bei anderen Mitfreiwilligen vor allem bei Ludwig.  Er war gleich dreimal bei mir zu Besuch. Zusammen haben wir ein zweites Beet angelegt. Während ich in der Schule war und dort arbeiten durfte, hat er alleine alles fertig gestellt: Das Sähen, das erste Umgraben, das Bedecken mit Blättern, welche die Feuchtigkeit im Boden halten sollen, und das Gießen war sein anfänglicher Verdienst und half den noch jungen Pflanzen, das Tageslicht zu erblicken. Außerdem ergriff er die Initiative, einen stabilen Zaun zu bauen, der meine Pflanzen vor den ansässigen Ziegen schützen sollte. Dafür nahmen wir schweißtreibende Arbeit auf uns, um das Grundmaterial zu fällen und herbeizuschaffen: das beliebte Baumaterial Bambus.

Zusammen mit Ludwig habe ich dann auch noch zwei Bäume gefällt, die unseren Pflanzen das Sonnenlicht stahlen. Der Moment, als der größte Baum in die richtige Richtung fiel, war besonders ergreifend. Wir hatten ihn zuvor mit einem Drahtseil an einem anderen Baum festgebunden. So konnten unsere Pflanzen unbehelligt weiterwachsen und wurden nicht vom fallenden Baum erschlagen. Beim Beseitigen des Gestrüpps bin ich den anderen Freiwilligen meiner Generation zu Dank verpflichtet. Alle waren zu Weihnachten bei mir. Die Bäume wurden zu Feuerholz verarbeitet.

Alltägliche Arbeit

Ich habe mein Jahr natürlich nicht ständig mit meinen Kollegen hier in Chipunga verbracht. Die meiste Zeit war ich alleine. Und so kümmerte ich mich jeden Tag um meine Pflanzen. In den Beeten wuchsen und wachsen Tomaten, Gurken, Karotten, Senf, Ingwer, Auberginen, Marygold, Radieschen, Kartoffeln und Salat. Timo hat mir außerdem zwei junge Avocadobäume hinterlassen. Die Baumsammlung wurde erweitert durch diverse Mango- und Papayabäume. Ein Mangobaum wächst einfach aus einem Kern einer vertilgten Mango, wenn man genügend Wasser und einen nährstoffreichen Boden zur Verfügung hat. Dazu startete ich auch ein kleines Experiment. Ich pflanzte zwei kleine Setzlinge nur zwei Meter voneinander entfernt. An der einen Stelle verstreute ich zuvor Dünger aus kompostierten Bioabfällen, an der anderen Stelle ließ ich den Boden wie er war. Ist doch logisch, was geschah oder? Einer der beiden Bäumen steht noch immer und reicht mir mittlerweile fast bis zur Hüfte.

 

Zur alltäglichen Arbeit gehörte natürlich auch das Gießen und das Entfernen der unerwünschten Pflanzen sowie das Umgraben. Klar macht man das oft ungern. Doch irgendwie ist es am Ende eine wunderbare Belohnung, wenn man seinen eigens angepflanzten Salat auf dem Teller hat und dieser auch noch wahnsinnig gut schmeckt.

Erntebericht

Um ehrlich zu sein, war ich manchmal kurz davor meinen Garten aufzugeben, denn die Pflanzen, die meiner größten Aufmerksam bedurften, wollten nicht so, wie ich wollte: Die Tomaten. Mittlerweile bin ich beim dritten Versuch angekommen, Tomaten zu pflanzen. Die zwei vorherigen Versuche sahen bis zu einem gewissen Zeitpunkt vielversprechend aus mit einer Reihe von kräftigen, grünen Pflanzen, die sogar schon ihre grünen Früchte entwickelten. Doch dann wurde jede einzelne Pflanze (bestimmt 30 an der Zahl) krank und verfaulten trotz zahlreichen Marygolds. Die Ursache waren irgendwelche Käfer im Boden. Ich sah und verfluchte sie, als ich die toten Pflanzen aus dem Boden riss. Doch zum Glück bin ich dran geblieben. Nun beim dritten Versuch schaut es besser aus. Aber diesmal habe ich auf Anraten der lokalen Bevölkerung eine Chemikalie in der nächstgrößeren Stadt Mzuzu gekauft und die Pflanzen damit besprüht. Eigentlich bin ich darauf gar nicht stolz, aber es ging nicht anders, denn Tomaten zu ernten war aus unerfindlichem Grunde meine größte Ambition.

​Viel einfacher dagegen war es mit den Karotten. Diese brauchten kaum Zuwendung. Und jetzt Im Juli werde ich diese zum zweiten Mal ernten. Insgesamt habe ich dann in meinem Jahr an die 50 Karotten aus meinem eigenen Garten auf meinen Teller gebracht. Dazu kommen etwa weitere 50 Radieschen, die unglaublich groß waren, 5-10 Kartoffen, ca. 10 Gurken, 3 Auberginen und natürlich Senf- und Salatblätter. Die gibt es eigentlich immer. In den kommenden Wochen erwarte ich außerdem an die 20 Tomaten (nicht besonders viel, aber immerhin). An die Mango-, Papaya- und Avocaobäume ist natürlich noch nicht zu denken. Vielleicht aber kann ich ja in drei Jahren, wenn ich mal zu Besuch komme, meine eigene Mango von dem Baum pflücken, den ich damals im Zuge meines kleinen Experiments gepflanzt habe.

Fazit

Zu Beginn meines Jahres in Malawi rechnete ich nie und nimmer damit, dass ich jemals etwas mit Gärtnern und Pflanzen am Hut haben werde. Wozu auch? In Deutschland geh ich halt in den nächsten Supermarkt und kauf mir mein Obst und Gemüse. Jetzt nach zehn Monaten bin ich komplett anderer Meinung und hoffe, dass ich auch in Deutschland Zeit dafür finden werde. Trotz der manchmal anstrengenden Arbeit in der sengenden Sonne Afrikas, saß ich am Ende des Tages oft erfüllt und zufrieden aufgrund meines eigenen Tuns auf meinem Balkon und konnte den Pflanzen beim Wachsen zusehen.

Abschließend möchte ich noch meinem mittlerweile guten Freund Daniel Mthuti danken. Ohne ihn hätte ich wahrscheinlich Kartoffeln für Unkraut gehalten. Tawonga chomene!

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